Fast Fashion – die Schattenseite der Mode: diesem Thema widmet sich die aktuelle Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Ein Thema, das uns natürlich brennend interessiert und deshalb haben wir nicht nur die Ausstellung besucht, sondern widmen dem Thema einen Blogbeitrag.

Fast Fashion - die Schattenseite der Mode - und Slow Fashion als möglicher Gegenentwurf dazu. Ein Blick auf die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Unser Blogbeitrag befasst sich nicht nur mit der Ausstellung sondern wirft auch einen Blick auf den Wert der Mode - die Wertschätzung daran. Mehr dazu auf unserem Blog: www.modespitze.de/blog
Fast Fashion – die Schattenseite der Mode im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Die Beliebigkeit der Mode

Fast Fashion beschreibt die immer kürzer werdenden Zyklen der Mode. Mittlerweile wechseln nicht nur die Kollektionen in rasanten Zeitabschnitten, sondern auch die Produktion wird immer schneller. Zwischen Entwurf und Bestückung in den großen Ketten liegen gerade einmal noch zwei Wochen. Und dann ist es vollkommen egal, ob man in einer Filiale in Berlin oder Hamburg oder London oder New York steht, überall das gleiche Angebot für das gleiche wenige Geld. Fast Fashion ist das Synonym für die Globalisierung der Mode, die Beschleunigung der Mode – für ein massenproduziertes Produkt. Es steht für das ökonomische Modell des Haben Wollens. Jetzt, sofort, gleich, aber billig. Die Globalisierung nahm ihren Anfang mit der Abwanderung großer Teile der textilen Wertschöpfungskette und ist insoweit auch ein Vorreiter bei den Folgen. Was bedeutet dies für den Verbraucher und für die Hersteller der Mode? Welche Folgen erwarten uns noch nach Abwanderung vieler Wertschöpfungsbereiche bei anderen Konsumgütern?

Fast Fashion - die Schattenseite der Mode - und Slow Fashion als möglicher Gegenentwurf dazu. Ein Blick auf die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Unser Blogbeitrag befasst sich nicht nur mit der Ausstellung sondern wirft auch einen Blick auf den Wert der Mode - die Wertschätzung daran. Mehr dazu auf unserem Blog: www.modespitze.de/blog
Wo kommt unsere Mode her? Made in heißt aber nicht immer wirklich Made in. In dem Land, wo z.B. der letzte Knopf angenäht wird, darf zuweilen auch das Made in Label gesetzt werden.

Die Ausstellung in Hamburg beleuchtet noch bis zum 25.10. das Phänomen in all seinen Auswüchsen.

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Der Ausstellungsraum
Fast Fashion - die Schattenseite der Mode - und Slow Fashion als möglicher Gegenentwurf dazu. Ein Blick auf die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Unser Blogbeitrag befasst sich nicht nur mit der Ausstellung sondern wirft auch einen Blick auf den Wert der Mode - die Wertschätzung daran. Mehr dazu auf unserem Blog: www.modespitze.de/blog
mit zahlreichen informativen Schautafeln

Fast Fashion ist typisch für die großen Billigketten wie H&M, Primark oder wie sie sonst noch heißen. Sie sind der einzige Gewinner der schnelllebigen Mode. Die aktuellen Trends werden rasend schnell kopiert und weitgehend unter Missachtung der Arbeits- und Umweltbedingungen vorrangig in asiatischen, aber teilweise auch osteuropäischen Ländern produziert. Die Waren werden billig und beliebig gefertigt und einmal quer durch die Welt verschifft, um wieder einen neuen Trend zu befriedigen.

Was ist Mode wert?

Welchen Wert misst man einem Kleidungsstück bei? Wie kann es sein, dass ein T-Shirt deutlich weniger kostet als ein großer Kaffee bei Starbucks, eine Kinokarte mehr als ein paar Schuhe. Was sagt das über unsere Wertschätzung des Produktes – würdigt man das Kleidungsstück überhaupt noch? Würdigt man noch die Arbeit, die hinter den Textilien steht. Oder ist das T-Shirt so schnell out wie der Kaffee ausgetrunken ist.

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Was ist unsere Kleidung wert?

Für mich war Billigmode noch nie eine wirkliche Option. Dafür schätze ich meine Kleider viel zu sehr. Ja, gute Kleidung ist und war schon immer teurer – weil sie anständig hergestellt wird. Kleidung hat einen extrem hohen Anteil an Handarbeit und den gilt es auch zu bezahlen. Angefangen vom Produktentwurf, über das erste Probeteil und die Änderungen, letztlich die Produktion und all die Zwischenschritte, die ich jetzt nicht erwähnt habe. Deshalb kaufe ich auch nicht mengenmäßig viel, bin mir aber sicher, dass das Stück meiner Wahl nicht bei der ersten Wäsche auseinander geht und die Form verliert oder ich es im schlimmsten Fall nicht anziehe, weil ich schon beim nach Hause gehen das Interesse daran verloren habe.

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40 % ungetragene Kleidung

Erschütternd war für mich in der Tat in der Ausstellung zu sehen, wieviel Sachen ungetragen bleiben und vollkommen neu entsorgt werden. Wir sprechen hier von einer Zahl von 40%! Gleichzeitig hat sich auch der Konsum von Textilien von 2000 bis 2010 um 47% gesteigert. Im Schnitt kauft jeder Bundesbürger 60 Bekleidungsstücke – und das bei prozentual immer weniger aufgewendetem Geld! Gab der Durchschnittsbürger zwischen den 60er und 70er Jahren zwischen 10 und 11% seines Einkommens für Bekleidung aus, waren es im Jahr 2012 gerade einmal noch 4,6%.

Und wenn man überlegt, wie viel Handwerk in Kleidung steckt – wie kann es sein, dass der Lohnkostenanteil bei Fast Fashion ein bis maximal zwei Prozent beträgt, wohlgemerkt bei einem Kleidungsstück, das gerade mal fünf Euro kostet. Probieren Sie gern mal selbst aus, wie lange es dauert ein einfaches T-Shirt zu nähen und berechnen dann Ihren eigenen Stundenlohn.

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Die textile Kette: Faseraufbereitung & Garnherstellung – textile Flächenherstellung – Textilveredlung – Konfektion – Handel & Vertrieb – Gebrauch & Pflege – Entsorgung, Recycling & Wiederverwendung

Schon zu Beginn der industriellen Revolution war es die Textilindustrie, die mit ausbeuterischem Beispiel voran ging und von den Zeiten, in denen Friedrich Engels die englische Textilindustrie in Manchester als „Hölle auf Erden“ beschrieb hat sich bis heute nicht viel verändert, nur dass es nicht mehr England, sondern vorwiegend den asiatischen und südosteuropäischen Raum betrifft. Die Bezahlung der Arbeiterinnen in den Fabriken ist so niedrig, dass sie weit unter dem Existenzminimum der jeweiligen Länder liegt. Aber nicht nur die katastrophalen Arbeits- und Lohnbedingungen prägen die Textilindustrie fernab.

Fast Fashion hat auch eine extrem schlechte Umweltbilanz. Der Textilsektor ist die Industrie mit dem größten Chemieeinsatz – ca. 1/3 der produzierten Menge an Chemikalien wird hier eingesetzt. Ganz besonders schlimm ist es dabei in den asiatischen Ländern, wo kaum Regulierungen bestehen bzw. bestehende weder kontrolliert noch durchgesetzt werden. Unsere strengen Umweltstandards greifen dort nicht. Abwässer inkl. der Chemikalien werden ungeklärt in die Flüsse gelassen, sodass sich die Flüsse wechselnd in den Trendfarben der Saison färben. Die Folge: aktuell haben 320 Millionen Chinesen haben keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser.

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Ein Fluß in Jeansblau …
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… oder in trendigem Lila

Slow Fashion

Aber es gibt auch einen Gegentrend zur verantwortungslos produzierten Mode: Slow Fashion – angelehnt an Slow Food.

Slow Fashion zeigt, dass Mode auch bewusst und nachhaltig unter fairen Bedingungen produziert werden kann und somit auch ethisch vertretbar wird. In den kleinen Kollektionen stehen Qualität und Individualität im Vordergrund. Es steht wieder das eigentliche Produkt im Vordergrund – die Entstehung der Mode wird wieder entschleunigt. Es gibt kurze Produktionsketten und oft wird die Mode regional hergestellt, wie zum Beispiel bei Wurlawy, ein Label, das im Spreewald produziert oder auch bei unseren eigenen Kollektionen. Unsere Spitze wird einzig am Standort in Plauen produziert und bei uns im Haus weiterverarbeitet. Die Kollektionsteile der Oberbekleidung werden von Schneiderinnen in Plauen oder Umgebung genäht. Sie können sich sicher sein, dass jedes unserer Stücke aus dem Herzen des Vogtlands kommt.

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Ein Blick in die Ausstellung

Im Mittelpunkt der Slow Fashion steht die handwerkliche Tradition. Eine Rückbesinnung auf das, was Handwerk kann. Mode wird eben nicht anonym produziert, sondern von Menschen. Und so wie man der Mode einen Wert beimisst, schätzt man auch die Menschen, die es produzieren. Vor allem kleine Labels sind es, die diesen Trend voranbringen, die konsequent auf regionale Auftragsvergabe setzen. Die ökologisch vertretbar produzieren und denen auch die Herkunft der Textilien wichtig ist. So zum Beispiel beim Einsatz von GOTS zertifizierter Baumwolle. Schauen Sie sich auf den vielen Märkten und Messen in Ihrer Umgebung um, Sie finden bestimmt eine Reihe kleiner Labels, die Ihren Geschmack treffen, kommen Sie mit den Produzenten ins Gespräch – erfahren Sie etwas über die Arbeit, die hinter der Mode streckt, über die Ideen und Vorstellungen. Und ganz schnell entwickelt sich aus dem Preis, den etwas kostet, ein Wert.

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Blick in die Ausstellung

Noch bis zum 25.10. können Sie sich selbst ein Bild von der Ausstellung zu machen. Bringen Sie genug Zeit für die zahlreichen Filme und Schautafeln mit. Sehr lohnenswert ist außerdem der Katalog zur Ausstellung.

Zu sehen:
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Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg
  • Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg noch bis 25.10.
  • Steintorplatz (direkt am Hauptbahnhof)
  • geöffnet: Di – So 10-18 Uhr / donnerstags bis 21:00
Danach
  • Deutsches Hygiene Museum in Dresden
  • vom 05.12.2015 bis 03.07.2016
  • Lingnerplatz 1, 01069 Dresden
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Fast Fashion / Slow Fashion
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2 Kommentare zu „Fast Fashion / Slow Fashion

  • 6. Oktober 2015 um 6:49 Uhr
    Permalink

    Ein echt interessanter Beitrag. Ich beschäftige mich ja sonst weniger mit der Thematik und denke nur oberflächlich darüber nach.
    Lieben Gruß,
    Jenny

    • 6. Oktober 2015 um 17:51 Uhr
      Permalink

      Liebe Jenny,
      ich freu mich, dass der Beitrag dein Interesse gefunden hat.
      Liebe Grüße, Manja

Kommentare sind geschlossen.