Auch die Wiener Werkstätten haben sich in ihrem Schaffen den Stickereien und Spitzen gewidmet. Allerdings ist dieser Bereich kaum bekannt. Um dies zu ändern, ist bei der Arnoldsche Verlagsanstalt das Buch „Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitze 1906 bis 1930″ von Christoph Thun-Hohenstein und Angela Völker erschienen. Die Autoren greifen dabei auf die Sammlung des MAK (Museum für angewandte Kunst) in Wien zurück. Sie ist die umfangreichste Sammlung zu diesem Thema.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
Das Buch: Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930

[Werbung, Rezensionsexemplar]

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930

Spitze ist nicht nur unser Broterwerb, sondern unsere Leidenschaft. Deshalb versuchen wir so viel wie möglich über die Herstellung und die Geschichte der unterschiedlichen Spitzen zu erfahren. Dass in den Wiener Werkstätten auch Spitzen und Stickereien produziert wurde und dies schon seit den Anfangsjahren, war uns vollkommen neu. Schon allein deshalb ist das Buch über die unbekannte Seite der Wiener Werkstätten eine Entdeckung. Tröstlich ist, dass wir mit unserem Unwissen darüber nicht alleine waren.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
Spitze der Wiener Werkstätte

Das Buch verdeutlicht sehr anschaulich, dass das Feld der Spitze und Stickerei bis heute nur wenig erforscht ist und das sowohl auf der Seite der Entwerfer, als auch der Produktion der Spitze. Das liegt aber auch daran, dass nur wenige Originale erhalten sind. Allerdings verfügt das MAK über eine große Sammlung an Skizzen, Entwürfen und Fotografien und einigen Originalspitzen.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
Die Blaupause eines Klöppelspitzenentwurfs

Wiener Werkstätte und die Spitze

Wir erfahren im Buch, dass es Spitzen und Stickereien schon von Anbeginn der Wiener Werkstätte gegeben hat, allerdings waren sie eher ein Nebenprodukt. Und Spitze und Stickereien waren auch Chefsache – Josef Hoffmann selbst entwarf Stickereimuster für Inneneinrichtungen noch bevor es eine eigene Stoffabteilung gab. Und wir entdecken im Buch noch eine weitere unbekannte Seite an Josef Hoffmann – er betätigte sich als Couturier. Im Buch finden sich Kleiderskizzen von ihm aus dem Jahr 1904. Es sind schlichte, gerade Kleider, deren Schmuck eine Applikation oder Stickerei ist.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
Josef Hoffmann als Couturier

Die Wiener Werkstätten schafften nicht zuletzt auch mit den Spitzen und Stickereien ein exklusives Spektrum an kunsthandwerklichen Textilien. Die Bandbreite reicht von Borten, Decken, Vorhängen, Bettüberwürfen bis hin Kissen und den überaus beliebten Kannenwärmen. Aber es gab auch zahlreiche modische Accessoires wie Schales aus Spitze im Angebot.

Oft wurden die Produktion an Frauen zur Heimarbeit gegeben. Und das nicht nur in Österreich. Auch im tschechischen Neydek wurden Spitzen für die Wiener Werkstätten gefertigt. Deshalb gab es mehrere Vorlagen, nach denen gestickt oder geklöppelt wurde. Das erklärt auch, warum sich gerade Vorlagen zur Produktion erhalten haben.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
Hochwertige Gestaltung des Buches

Das Buch beschreibt ausführlich die Geschichte der Entstehung. So erfahren wir, dass Dagobert Peche nicht nur Impulsgebern in zahlreichen Gebieten der Wiener Werkstätten war, sondern auch als Initiator der Tüllstickerei- und Klöppelspitzenproduktion gilt. Seine Vorliebe für gegenständliche Formen und deren subtile Stilisierung kam ihm bei den Spitzen und Stickereien besonders im Hinblick auf das verwendete Material und dessen Wirkung entgegen. Seinen Spitzen sieht man noch sehr deutlich den zeichnerischen Ursprung an.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
gestickte Tüllspitze, die wie eine Zeichnung wirkt

Ein großer Abschnitt des Buches widmet sich den Künstlern und Künstlerinnen der Wiener Werkstätten. So lassen sich die unterschiedlichen Stile und Feinheiten sehr gut nachvollziehen.

Im Buch lässt sich anhand der zahlreichen Bilder besonders schön nachvollziehen, dass erfolgreiche Muster oft mehrfach verwendet wurden. So wurde ein Muster mit unterschiedlichen Randdekoren zu Deckchen verarbeitet oder gleichzeitig als Deckchen und Schal. Generell machen die vielen Abbildungen das Buch zu einem ganz besonders anschaulichen Erlebnis.

Fazit zum Buch

Die Geschichte der Spitzen und Stickereien werden Dank des Buches der Unbekanntheit entrissen. Die Entwicklung der Spitzen wird sowohl mit den Gestaltern verknüpft als auch mit der Geschichte der Wiener Werkstätte verknüpft. Die Bebilderung zeigt die Entstehung in Form von Zeichnungen und Entwürfen, das fertige Produkt aber auch Katalogabbildungen oder Messestände. Durch das Buch „Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930“ wird dieser Teil der Textilgeschichte ein wenig greifbarer. Die hochwertige und schöne Gestaltung des Buches machen es zu einem Leseerlebnis.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
Blick ins Buch

Das wunderbare Buch ist in der Arnoldschen Verlagsanstalt erschienen und kostet 34 €. Wer einen weiteren Einblick in die Spitzensammlung des MAK haben möchte, dem sei die Online-Sammlung mit über 1.000 Spitzen und Entwürfen zu empfehlen.

 

Tüllspitze als Meterware gibt es in unserem Online-Shop.

 

Transparenzhinweis: Das Buch haben wir dankenswerter Weise von der Arnoldschen Verlagsanstalt als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Unsere Meinung darüber haben wir uns völlig frei gebildet.

Die unbekannte Wiener Werkstätte – Stickereien und Spitzen 1906 bis 1930
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