2019 kommt keiner so schnell am Thema Bauhaus vorbei und auch das Grassimuseum in Leipzig widmet sich dem Thema ausführlich. In der aktuellen Sonderausstellung geht das Museum auf Spurensuche in Sachsen. Die Fundstücke werden in der Ausstellung BAUHAUS SACHSEN noch bis 29. September präsentiert.

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BAUHAUS SACHSEN im Grassimuseum in Leipzig

Die Ausstellung nähert sich dem Bauhaus aus 17 unterschiedlichen Themenbereichen. Das Spektrum ist weit gefasst und reicht von Bühnengestaltung, Grafik- und Typografiedesign bis hin zu Bauhäuslern, die bei der Grassimesse ausstellten oder der Textilgestaltung.

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Die unterschiedlichen Blickwinkel machen die Ausstellung zu einer interessanten und vor allem vielfältigen Ausstellung, die das Wirken der Bauhäusler in Sachsen auf vielfältige Weise beleuchtet und ebenso einen aktuellen Bogen spannt.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig

 

Natürlich widmet das Museum einen Teil der Ausstellung Josef und Anni Albers. Die 18 Albers-Fenster prägen mit ihrem „Thermometerstil“ die Innengestaltung des Grassimuseums. Die streng geometrischen Entwürfe entstanden 1926, als Albers noch am Bauhaus unterrichtete.

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Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Die beleuchteten Albers-Fenster

 

Bauhaus-Stoffe

Besonders interessant war für uns natürlich der Textilbereich der Ausstellung. Unter dem Thema Stoffbesprechungen widmet sich die Künstlerin Judith Raum in einer Installation dem Kapitel der Zusammenarbeit der sächsischen Textilindustrie und dem Bauhaus.

Die Künstlerin Katharina Jebsen schuf eigens dafür Neuwebungen von Bauhaus-Gebrauchsstoffen. Ursprünglich stammen die gezeigten Muster von Gunta Stölzl und Lilly Reich.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Stoffmuster von Gunta Stölzl

Bauhäusler gingen immer wieder erfolgreiche Industriekooperationen ein. Ziel war es, die Produkte einem breiten Publikum zuzuführen. Dies geschah insbesondere unter dem Leiter Hannes Meyer, der immer wieder betonte, dass „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ zu schaffen sei. So entstanden auch verschiedene Kollektionen für dem Heimtextilbereich. Die in der Ausstellung gezeigten Muster wurden ursprünglich in der Polytextil G.m.b.H. Berlin und Seifhennersdorf (1930) und in der Gardinenweberei Baumgärtel & Sohn in Lengenfeld im Vogtland ab 1932 gefertigt.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Neuwebungen der Bauhausstoffe

Die Fertigung der Gardinen- und Vorhang-Kollektion gemeinsam mit Baumgärtel fiel genau in die Zeit der Schließung des Bauhauses. Es entstand eine Kollektion mit preiswerten Bedruckten Maccobatisten und Baumwollkrepp, mit schlichten lichtdurchlässigen Gittertüllen und sogenannten Strukturstoffen.

Als die erste gemeinsame Kollektion 1933 auf der Frühjahrsmesse präsentiert werden kann, kämpft dass Bauhaus mit den Widrigkeiten der Schließung und so musste die Zusammenarbeit jäh beendet werden.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Blick in die Stoffinstallation

Umso schöner, dass das Grassimuseum die Stoffe wieder auferstehen lässt. Die Neuwebungen von Katharina Jebsen entstanden auf Handwebmaschinen.

Historischer Bobinet-Tüll im Bauhaus-Stil

Für die Produktion des Gittertüll arbeitete man mit einer kleinen schottischen Manufaktur zusammen. Bereits die Originale der Tülle wurden auf englischen Bobinetmaschinen (Leavers), sogenannten „Tüllstühlen“, gefertigt. Der Tüll wird also nicht gewebt, sondern knüpft an die Technik des Verdrehens von Klöppeln an, so dass ein stabiles durchbrochenes Muster entsteht.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig

Nach langer Suche fand man eine Firma, die noch in der Lage ist, diese Art des Tülls zu produzieren. MYB Textiles aus Ayrshire ist der wohl letzte Hersteller. Hier wird immer noch auf den alten Maschinen produziert, die vormals auch im Vogtland zum Einsatz kamen.

Auch wenn der Tüll recht unscheinbar daherkommt, hat er eine spannende Geschichte. Wie schön, dass sie in der Ausstellung zum Leben erweckt wurde.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Der Gittertüll stammte ursprünglich aus dem Vogtland

Fazit

Die Ausstellung BAUHAUS SACHSEN ist eine sehr gelungene und interessante Ausstellung, die sich dem Thema Bauhaus aus verschiedenen Blickpunkten nähert und einen klaren Fokus auf den sächsischen Bereich stellt. Die übersichtliche und klare Gestaltung der Ausstellung lädt ein, die unterschiedlichen Kapitel zu entdecken.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Das Maskottchen der Ausstellung – die Nachbildung einer Figur von Erich Mende
Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Bauhaus in Sachsen

Den Blog-Beitrag über unsere eigene am Bauhaus orientierte Kollektion, in der wir Mustern aus den 20er und 30er Jahren wieder aufgenommen haben, finden Sie hier, neu aufgelegte Repliken im Shop.

Bauhaus Sachsen-Ausstellung im Grassi Museum in Leipzig
Bauhaus-Lehre

Transparenzhinweis: Wir haben die Ausstellung im Rahmen der Vernissage kostenfrei besucht. Das hatte natürlich keinen Einfluss auf unsere Meinung.

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